Kapite 1 - Das biologische Geschlecht

Mit welchem Geschlecht sich eine Person identifiziert, ist für Außenstehende nicht erkennbar. Das biologische Geschlecht hingegen kann durchaus vom Umfeld erkannt werden: Ein Person ist entweder weiblich oder männlich. Zumindest vermeintlich. So geläufig diese binäre Klassifizierung ist, gilt sie jedoch nicht für alle Menschen. Denn das biologische Geschlecht ist kein Schalter, sondern das Ergebnis einer Vielzahl an Prozessen, die während der Entwicklung eines Menschen ineinander greifen. Und wenn ein oder mehrere dieser Prozesse gestört sind, kann das Ergebnis eine Mischung aus männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen sein. Beispielsweise gibt es Menschen, die äußerlich eindeutig weiblich erscheinen, im Bauchraum aber statt Gebärmutter und Eierstöcke unerwarteterweise Hoden haben (Goldberg-Maxwell-Morris-Syndrom). Oder aber, dass ein Mensch äußerlich eindeutig männlich erscheint, aber tatsächlich weibliche Chromosomen besitzt (46,XX testikuläres DSD).
Wenn ein Mensch biologisch nicht eindeutig männlich oder weiblich ist, nennt man diesen Umstand “Intersex”. Da es eine Vielzahl an Prozessen sind, die im Körper an der Geschlechtsbildung beteiligt sind - und entsprechend auch gestört werden können, gibt es auch viele unterschiedliche Ausprägungen von Intersex.
Trotz einer möglichen Störung der biologischen Geschlechtsbildung, läuft dieser Prozess bei den allermeisten Menschen jedoch normal ab. Lediglich 0,018% der Bevölkerung sind von Intersex betroffen [1]. Aber selbst dieser kleine Anteil reicht aus, um die binäre Klassifizierung des biologischen Geschlechts infrage zu stellen.